Senioren-EM Ljublana (Slowenien) vom 24.07.-03.08.2008

Renate Hofmann wird zweifache Vize-Europameisterin!

Erneut hat Renate Hofmann vom 1. WV Wunstorf bei einer internationalen Seniorenmeisterschaft zwei Medaillen gewonnen. Im slowenischen Ljubljana konnte sie sich bei der Europameisterschaft zwei Silbermedaillen in ihrer Altersklasse W65 erkämpfen.

Da ihr Hauptwettkampf, der Marathonlauf, erst am Schlusstag der Veranstaltung auf dem Programm stand, meldete sich die Wunstorferin vorsorglich auch noch für die Bahnläufe über 10.000 m und 5.000 m an. Aufgrund des starken Meldeergebnisses und ihrer für die relativ kurzen Strecken unzureichenden Vorbereitung rechnete sich aber keinerlei Chancen auf vordere Platzierungen aus und wollte beide Starts eigentlich schon absagen. Sie entschied sich dann aber doch dazu, beide Läufe als Vorbereitung für den Marathon zu nutzen.

v.l.: Renate Hofmann, Joaquina Flores, Siegerin 10.000m

Völlig unerwartet lief es über 10.000 m dann sogar so gut, dass es in der Zeit von 49:27,12 Minuten hinter der favorisierten Portugiesin Joaquina Flores zum zweiten Platz und die Silbermedaille reichte. Dabei musste die WVW-Läuferin noch nicht einmal an ihre Grenzen gehen, denn in den Vorjahren konnte sie auf dieser Distanz jeweils Zeiten im 47er- und 48er Bereich erzielen.

Zum ersten Mal in ihrer Läuferkarriere überhaupt startete sie danach auch noch über 5.000 m. In 23:44,70 Minuten belegte sie, nur 5,80 Sekunden vom Bronzerang entfernt, immerhin den vierten Platz. „Eigentlich sind die 5.000 m auf der Bahn doch gar nicht so schlecht, vielleicht werde ich diese Strecke in der Zukunft häufiger laufen“, so Renate Hofmann, die nach ihrer Premiere offenbar auch Gefallen an den etwas kürzeren Distanzen gefunden hat.

Dennoch galt ihre gesamte Aufmerksamkeit dem Marathonlauf am Schlusstag der EM. Von Beginn an lag sie dabei in der Wertung der Altersklasse W65 in Führung. Aber die Slowenin Lojzka Felicijan hatte nicht nur den Heimvorteil, sie lief auch ein taktisch hervorragendes Rennen und ging erst nach 30 km an der Deutschen vorbei. Dabei schlug sie während des Überholvorgangs ein derart hohes Tempo an, dass Renate Hofmann nicht einen Augenblick daran dachte, ihr zu folgen. Allerdings wurde sie die Slowenin ständig durch einen männlichen Mitläufer über den wachsenden Vorsprung auf dem Laufenden gehalten. Ob dieser Betreuer ebenfalls ein gemeldeter Teilnehmer war oder regelwidrig ins Wettkampfgeschehen eingriff, ist nicht bekannt.

Kurz vor dem Ende kam dann auch noch die zweite Slowenin Alojzija Bratusa immer näher an die Wunstorferin heran. Der an der Strecke stehende Ehemann Guntram Hofmann bemerkte dies und konnte seine Frau rechzeitig warnen. Nun kämpfte Renate Hofmann um Silber und kam dabei ihrerseits immer näher an die Goldmedaille heran. Am Ende fehlten ihr nur winzige 11 Sekunden auf dieser langen Strecke, doch auch über die zweite Silbermedaille in 4:10:17 Stunden, konnte sie sich freuen. „Es war ein sehr hügeliger Kurs und es herrschte eine brütende Hitze. Beides liegt mir überhaupt nicht. Unter diesen Bedingungen bin ich mit der Zeit und dem Platz sehr zufrieden!“, so Renate Hofmann, die im letzten Jahr noch persönliche Bestzeit beim Hamburg-Marathon mit 3:53:49 Stunden gelaufen war.

In diesem Jahr konnte das deutsche Team keine Mannschaft in der Klasse W65/70 stellen, so dass es leider keine zusätzliche Medaille gab. In den vergangenen Jahren gewannen die deutschen Damen nämlich fast schon wie selbstverständlich die Teamwertung bei Welt- und Europameisterschaften.

Die Organisation der Europameisterschaft war im Übrigen einer solchen Großveranstaltung nicht würdig. Die Startunterlagen waren einen Tag vor Wettkampfbeginn noch nicht zusammengestellt und so halfen einige Teilnehmer in einer Nachtschicht selbst mit, die Tüten zu packen. Fehlende Startnummern wurden kurz vor dem Start mit einem Filzschreiber noch schnell per Hand geschrieben. Der Startvorgang bei den Bahnläufen war ein einziges Durcheinander. Ohne dass die Teilnehmer überhaupt ihre Aufstellung eingenommen hatten, wurde urplötzlich der Startschuss ausgelöst. Beim Marathonlauf gab es überdies keinerlei Absperrungen und die Läufer mussten sich zwischen fahrenden Autos ihren Weg bahnen. Selbst Polizisten, die ihren Dienst im Ort taten, wussten nicht, weshalb plötzlich so viele Sportler durch die Stadt liefen. Auch die Ergebnisse des Marathons wurden erst mit mehrtägiger Verspätung und dann auch noch fehlerhaft im Internet veröffentlicht.

Dennoch sind die internationalen Wettkämpfe für das Ehepaar Hofmann immer wieder ein Erlebnis. Man trifft alte Bekannte von früheren Meisterschaften wieder und lernt auch immer wieder neue interessante Menschen kennen. Zum Beispiel auf der Rückfahrt von Ljubljana im Zug einen spanischen Langstreckenläufer, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und 1960, damals noch als Profi-Radsportler aktiv, sogar eine Bergetappe bei der Tour-de-France gewinnen konnte.

Im Sommer des nächsten Jahres steht für Renate Hofmann nun die WM im finnischen Lathi auf dem Programm. Allerdings wird sie dort, obwohl im Jahr 1939 geboren, noch nicht in der Klasse W70 startberechtigt sein. Anders als im nationalen Bereich, müssen die Teilnehmer nämlich bei internationalen Wettbewerben bereits das jeweilige Alter erreicht haben – und der nächste „runde“ Geburtstag steht für die ausdauerstarke Läuferin erst Ende des Jahres 2009 an.

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Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 10.08.08.