Ironman Frankfurt am 06.07.2008

Axel Hofmann: Ironman trotz Knochenbruch durchgestanden
- aber der Traum von Hawaii ist geplatzt

Seit mehr als einem halben Jahr drehte sich bei Axel Hofmann (37) vom 1. WV Wunstorf alles nur um ein Thema: die Ironman-EM in Frankfurt am 6. Juli und das persönliche Ziel, sich dabei für die inoffizielle Weltmeisterschaft auf Hawaii, dem Traum eines jeden Triathleten, zu qualifizieren.

Axel Hofmann nimmt die 180 km in Angriff

Im letzten Jahr musste man in der überaus starken Altersklasse M35 eine Zeit von 9:45 Stunden erreichen, um einen der begehrten Startplatz auf Hawaii zu ergattern. Wenn er als starker Schwimmer die 3,86 km in etwa 50 Minuten herunterspulen, die 180,2 km auf dem Rad möglichst unter 5 Stunden und den Marathonlauf von 42,195 km deutlich unter 4 Stunden schaffen würde, könnte es klappen - so die Rechnung des früheren Wasserball-Bundesligaspielers.

Bei seiner Vorbereitung musste Hofmann, der als Orthopäde bis März in Bad Oeynhausen tätig war und seit April in einer hannoverschen Praxis seinem full-time-Job nachgeht, ein unglaubliches Zeitmanagement beherrschen. Den ganzen Winter fuhr er fast täglich mit dem Rad den Mittellandkanal und die Weser entlang 80 km zu seiner Arbeitsstätte. Wenn es der Trainingsplan vorsah, benutzte er auch auf der Rückfahrt sein Mountainbike. In der Regel fuhr er aber mit dem Zug zurück, stieg schon ein oder zwei Stationen vorher aus und lief die restliche Strecke nach Wunstorf. Am nächsten Tag stand dann die umgekehrte Reihenfolge auf der Tagesordnung: zuerst eine morgendliche Laufeinheit, dann die Weiterfahrt im Zug und nach dem Dienst mit dem Rad zurück nach Wunstorf. Zwischendurch absolvierte er auch noch seine Schwimmeinheiten im Melittabad in Minden. Dieses Bad bietet den Vorteil eines beheiztes Außenbecken - auch im Winter! Dort war in der kälteren Jahreszeit wenig Betrieb und so konnte er sein Programm ohne größere Probleme durchziehen. Nur allzu lange Pausen am Beckenrand waren wegen der kühlen Außentemperaturen tabu. Ein positiver Nebeneffekt dieser Abhärtung: von Erkältungskrankheiten blieb Hofmann im ganzen Jahr verschont! Insgesamt kamen so ab November 2007 ca. 10.000 km mit dem Rad und ca. 2.500 Laufkilometer zusammen. Die Schwimmdistanzen hatte er nicht statistisch erfasst. Bei seinem Trainingsplänen ließ er sich im Übrigen vom kompetenten früheren 96-Triathloncoach Rolf Zemlin beraten.

Doch dann der Schock: drei Wochen vor dem Wettkampf stürzte er im Training mit dem Rad und verletzte sich am Ellenbogen. Obwohl er als Arzt natürlich sofort die schlimmsten Befürchtungen hatte, klammerte er sich an die Hoffnung, dass es nur eine Verstauchung sein könnte. Sein Kollege bestand aber auf einer Röntgenaufnahme. Dr. Hofmann: „Ich hätte heulen können, als ich mir das Röntgenbild ansah. Man konnte ganz deutlich den Bruch des sogenannten Radiusköpfchen erkennen!“

Kampflos wollte er jedoch nicht aufgeben. In Zusammenarbeit mit einem Fachmann ließ er sich eine Spezialmanschette anfertigen, die, nachdem man den Neigungswinkel noch einmal veränderte, das Radfahren und Laufen möglich machte. Für das Schwimmtraining benutzte er eine elastische Manschette. Dennoch stellten sich immer wieder, vor allem nach dem Schwimmtraining, starke Schmerzen ein.

Verpflegungsaufnahme in voller Fahrt

Erst zum Wettkampftermin war Hofmann dann beschwerdefrei. Die Schwierigkeiten setzten sich aber auch in Frankfurt fort. Das Wasser des Frankfurter Waldsees hatte eigentlich 26 Grad, was eigentlich zur Folge gehabt hätte, das Neoprenanzüge, die schwächere Schwimmer wegen des Auftriebs klar begünstigen, nicht getragen werden dürfen. Doch die Verantwortlichen maßen die Temperatur statt in der vorgeschriebenen Tiefe von 60 cm, noch einmal in 80 cm Tiefe, und da waren es dann plötzlich nur noch 23,8 Grad. Somit erlaubte man die Kälteschutzanzüge wieder und benachteiligte damit die guten Schwimmer, wie Axel Hofmann! Wahrscheinlich befürchtete man sonst, so im Vorjahr geschehen, heftige Proteste und sogar Drohungen, vor allem aus der starken Läufer-Lobby unter den Triathleten.

Doch damit nicht genug. Eigentlich hätte Hofmann als bekannt starker Schwimmer und Radfahrer in die Gruppe ausgewählter Altersklassenathleten gehört, die kurz nach den Profis aber noch vor dem eigentlichen Hauptfeld starten durften, um ihnen bessere Bedingungen bieten zu können. Man setzte ihn aber unverständlicherweise in die mit 2000 Teilnehmern hoffnungslos überfüllte Gruppe aller übrigen Starter.

Schon nach 49:41 Minuten war er dann als Erster dieser Riesengruppe mit der Schwimmen fertig, und das, obwohl er sich dabei durch das Feld der vielen langsameren Schwimmer vor ihm hatte durchkämpfen müssen! Nur vier Schwimmer seiner Altersklasse, die in den Sonderstartgruppen vor ihm antreten konnten, waren noch etwas schneller als der Wunstorfer und so lag er nach der ersten Disziplin auf einem hervorragenden 5. Platz!

Nach seinen Rad-Trainingswerten wäre zwar eine Radzeit von ca. 4:50 Stunden machbar gewesen, dennoch konnte Axel Hofmann mit seiner Zeit von 5:03:10 Stunden, der Tacho wies dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 37 km/h aus, durchaus zufrieden sein.

Ärgerlich war für ihn wieder einmal, dass sich viele Teilnehmer nicht an das Verbot des Windschattenfahren hielten. Erst spät bemerkte er zum Beispiel, wie eine lange Traube weiterer Fahrer an seinem Hinterrad klebte, für die er viele Kilometer lang die Tempoarbeit verrichten musste. Durch eine enorme Kraftanstrengung gelang es ihm aber nach einem Anstieg die „Verfolger“ abzuschütteln.

Der Marathon wird zum Härtetest: links Axel Hofmann

Trotz der für ihn guten Leistung bis zu diesem Zeitpunkt, machte sich bei ihm kurz vor dem abschließenden Lauf Ernüchterung breit, als ihm seine Betreuer an der Strecke zuriefen, er würde auf dem 19. Platz seiner Altersklasse liegen. Zu diesem Zeitpunkt hätte dieser Platz zwar noch zur Hawaii-Qualifikation gereicht aber als etwas schwächerer Läufer war ihm klar, dass er von einigen Laufspezialisten noch überholt werden wird und er somit keine Chance mehr hat, sein Ziel doch noch zu erreichen.

Und dennoch kämpfte Hofmann weiter. Die erste Laufrunde über 10,5 km absolvierte er dann sogar im für ihn passablen Schnitt von 5:04 Minuten pro Kilometer. Erst danach kam der große Einbruch. Das Laufen, immer wieder durch Gehpausen unterbrochen, wurde zunehmend zur Qual für ihn. Seine vielen Freunde und Verwandte an der Strecke motivierten ihn aber, bloß nicht aufzugeben. „Wenn mich meine Frau Inken in der letzten Runde nicht zum Weitermachen überredet hätte, wäre ganz bestimmt nicht ins Ziel gekommen. Am Schluss bin ich nur noch für sie gelaufen, denn ohne ihre tolle Unterstützung hätte ich die ganze Vorbereitung gar nicht schaffen können“, so Hofmann nach dem Zieleinlauf. 4:26:18 Stunden benötigte er für den Marathonlauf und wurde dabei auf Platz 145 der knapp 500 Teilnehmer seiner Klasse „durchgereicht“. Nach 10:26:06 Stunden war die Tortur dann endlich vorüber und Axel Hofmann erreichte den gigantischen Zielbereich auf dem Frankfurter Römer.

Mehr als eine Stunde hätte er allerdings schneller laufen müssen, um das Hawaii-Ticket zu ergattern, denn nicht in 9:45 Stunden wie im Vorjahr, sondern in 9:24 Stunden musste man in der Altersklasse M35„finishen“, um sich den Traum von Hawaii zu verwirklichen. Das Leistungsniveau ist also noch einmal enorm angestiegen. Der finanzielle Aufwand der Halbprofis und der Einsatz von unglaublich teurem Equipment ist dabei ohne Sponsoren einfach nicht mehr realisierbar. Axel Hofmann hatte das Glück, auch einen Sponsor an seiner Seite zu haben: Frank Johannsen, Inhaber des Radsportfachgeschäfts Powerslide in Minden, stellte ihm eine Zeitfahrmaschine, einen Aero-Radhelm und ein Scheibenrad zur Verfügung!

„In Frankfurt werde ich es definitiv nicht mehr schaffen können, meinen Traum zu verwirklichen. Noch mehr Trainingsaufwand könnte ich nicht mehr mit Beruf und Familie in Einklang bringen. Aber vielleicht versuche ich es noch einmal bei einem anderen Qualifikationswettkampf mit schwererer Schwimm- und Radstrecke, zum Beispiel auf Lanzarote“, zog Axel Hofmann nach dem Rennen seine nüchterne Bilanz.

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Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 10.03.08.